Die Entwicklung im 19. Jahrhundert

In der Leitung der Musikgesellschaft gab es damals eine Teilung. Die Türkische Musik leitete Lehrer Franz Joseph Knapps, Ramsbach von 1824 bis um 1830; die Kirchenmusik dürfte wohl von Fidelis Hüger, Schuhmacher, der ein guter Geiger war, geleitet worden sein.


Aus dem Revolutionsjahr 1848 erzählt man, dass die Bürgerwehr mit der Musik zur Unterstützung der Freischärler fortgezogen sei. Bei Waghäusel sei die Truppe von preußischen Soldaten zerstreut worden. In Eilmärschen sei sie über das Gebirge in die Heimat zurückgekehrt. Die Leiter der Türkischen Musik waren Teils Lehrer, teils einheimische Handwerksmeister, die schon längere Zeit aktive Musiker waren. Die Chor- und  Stadtmusikanten waren bis 1820 mit 36 Gulden jährlich besoldet. Durch Beschluss des Kirchspielsrates vom 23. April 1820 wurde die –Gratifikation- auf 46 Gulden erhöht, und ab 1864 betrug die Besoldung 90 Gulden. Nach der Einführung der Deutschen Reichswährung 1874 wurden jedem Musiker jährlich 154,28 Mark bezahlt. Das Kirchspielsgehalt des Kapellmeisters und Organisten beträgt in den 30er Jahren 120 Gulden, es erscheint in den 1870er und 1880er Jahren mit 400  Gulden; 1886 wird es dem Kapellmeister Fridolin Hodapp auf 550 Mark erhöht.


Über einzelne Musiker sind uns die oder jene Merkmale über Ihre Person mündlich überliefert. So hat Xaver Dietz, der Großvater des späteren  Diriganten Friedrich Wild, der Kapelle ihren ersten Bass in den1840er Jahren in Rastatt geholt, wo von dem dortigen Infanterieregiment Musikinstrumente zur Auktion kamen. Den Weg dorthin und zurück hatte er zu Fuß zurückgelegt.


Für Aufregung sorgte zweimal die Gründung einer weiteren Musikkapelle in Oppenau. F.J. Knapps, inzwischen im Ruhestand und wieder in Oppenau wohhaft, hatte das Dirigentenamt des 1857 gegründeten Gesangvereines  übernommen. Ergründete 1860 innerhalb des –Sängerbundes- eine Musikkapelle. In den Gemeindeakten finden sich Beschwerden des Kapelmeisters Hermann Hodapp, das die Knapp’sche Blechmusik der Kirchen- und Türkischen Musik die besten Kräfte entziehe. In einem Bericht vom 14. September 1860 wird gefordert, dass die auf Kosten des Kirchspiels ausgebildeten Musiker auch bei der Kirchen- und Türkischen Musik mitwirken müssen.


Die Bezeichnung -Türkische Musik- für die Kirchspielskapelle trat nach der Nennung um 1860 später nicht mehr auf.


Ein zweites Mal beherbergte Oppenau in den achtziger Jahren zwei Musikkapellen. Der Bahnhofrestaurationswirt Leopold Butz, ein hervorragender Pistonist und Posaunist, rief 1883 einen Musikverein ins Leben, der Mitglieder aus dem ganzen Kirchspiel gewinnen konnte. Die Kapelle musizierte mehrfach öffentlich, für dauerhaften Bestand war ihre Basis an aktiven  Kräften jedoch zu klein. Der Verein löste sich 1887, nach vier Jahren, auf.

 

Im Februar 1890 übernahm Kapellmeister Benno Dietschy, gebürtig aus Minseln bei Rheinfelden, die Kirchspielskapelle sowie den Organistendienst in der Pfarrgemeinde. Erst 48 Jahre alt, verstarb er am 24. September 1898.

 

 

Zur 130 Jahrfeier schrieb ein Chronist:

 

-Dietschy brachte den musikalischen Geist in der Kapelle in einer Weise zur Entfaltung, dass er heute noch nachwirkt. Er war nicht nur ein tüchtiger Leiter der Kapelle, sondern ein Mann, der es verstand, seinen Musikern und Zöglingen Musik als etwas fundamentales einzupflanzen.-