Die Entwicklung im 20. Jahrhundert

Die Kapelle unter Fritz Wild (1902 bis 1933)



 

 

 


 

Der erste von ihnen: Fritz Wild.


Das Dirigentenamt führte er im Geiste von Benno Dietschy weiter. Dies bewiesen die vielen Preise und Auszeichnungen, welche sich die Kapelle auf Musikfesten und Wertungsspielen errang. Etwa alle drei Wochen war am Sonntag nach  Beendigung des Hauptgottesdienstes ein Konzert vor der Kirche. Eine Gruppe von Musikern übernahm am Sonntagnachmittag in Bad Antogast die Rolle einer Kurkapelle.

Diese drei Jahrzehnte waren aber auch geprägt vonpolitischen Umwälzungen im  Deutschen Reich. Das ging auch an der Kapelle nicht spurlos vorrüber. Da war zunächst der 1. Weltkrieg, aus dem zwei Mitglieder nicht mehr zurückkehrten. Nach dem Krieg gingen die Musiker mit neuer Kraft ans Werk. Der alte Stamm guter und zuverlässiger Musiker blieb der Kapelle treu.


In den harten Nachkriegsjahren machte sich die Inanspruchnahme an Zeit- und Geldopfern für die Mitglieder der kapelle infolge vermehrter Auftritte besonders  bemerkbar. Um der kapelle den notwendigen finaziellen Rückhalt zu geben und sie in der Bevölkerung noch mehr zu verankern, gründete man einen Musikverein. Die Gründungsversammlung fand am 12. Februar 1922 im Brudersaal statt. 107  Personen traten dem Verein bei. 1929 richtete Oppenau das erste Bezirksmusikfest des Bezirks III des Süddeutschen Musikverbandes aus. Gleichzeitig beging die Kapelle ihr 130 jähriges Bestehen. Es war wohl das erste Mal, dass sie in ihrer langen Geschichte ein Jubiläum feierte. Die Zahl der Musiker betrug 23, die der passiven Mitglieder war auf 154 angewachsen.

Über die Aufgaben der Kapelle lesen wir in der Chronik von 1929:


"Wie erfrischend erklingt am Maifest, Patroziniums- und Fronleichnamsfest die altherkömmliche Tagwache durch das Städtchen. Zu Oster und Weihnachten möchten die Kirchspielsbewohner die Mitwirkung der Kapelle in der Kirche nicht missen. Dazu kam früher das Auftreten am Großherzogs- und Kaisergeburtstage, heute am Verfassungstage."

 

Die Kapelle unter Georg Baxmann (1933 bis 1959)

Der zweite von ihnen: Georg Baxmann


Nach 31 Jahren legte Fritz Wild den Dirigentenstab in jüngere Hände. Sein Nachfolger wurde Georg Baxmann .Dessen Tätigkeit fiel in noch viel größerem  Maße als bei seinem Vorgänger in eine Zeit politischer Bewegtheit mit Diktatur, Weltkrieg, Besatzungszeit und Wiederaufbau. Auch unter Baxmann genoß die Kapelle hohes Ansehen und brachte von Musikfesten manche Auszeichnungen  nach Hause. Während der Kursaison gab sie im neuen Musikpavillon der Stadt Oppenau allwöchentlich zwei Kurkonzerte.


Nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges kam die musikalische Tätigkeit für zwei  Jahre ganz zum Erliegen. 1941 versuchte Baxmann eine Kapelle neu aufzubauen. Anfangs waren es zwölf, aber dann nur noch sechs Musiker. Sie vertraten die einst so gute Kapelle bis zum Kriegsende.


Durch die französische Besatzungsmacht war zunächst jegliche Vereinsarbeit  verboten. Trotzdem konnte die Kapelle mit Sondererlaubnis an Weihnachten 1945 und in der Sylvesternacht erstmals nach dem Kriege in kleiner Besetzung wieder auftreten. Allmählich kehrten die Musiker aus der  Gefangenschaft heim. Im Frühjahr 1946 wurde die Probentätigkeit erneut aufgenommen, und am Pfingstmontag 1946 wurde bereits das erste Konzert gegeben. Diesen Abend nahm Bürgermeister Otto Roth zum Anlass, den Musikverein wieder ins Leben zu rufen. 175 Personen trugen sich in die Mitgliederliste ein. Seit diesem Abend stand Artur Bächle bis zu seinem Tod am 4. März 1970 dem Musikverein vor.

 

Im August 1949 feierte die Kapelle im unteren Stadtpark sowie im Brudersaal ihr 150 jähriges Bestehen. Dies war -nach nur dreijähriger Aufbauzeit- eine herausragende Leistung.

 

1959 musste Georg Baxmann aus gesundheitlichen Gründen den Dirigentenstab niederlegen. Oskar Sauer, stellvertretender Leiter von 1956 – 1959, führte das Orchester von 1959 – 1962 und gründete eine Jugendruppe.


Die Kapelle unter Siegfried Börsig (1962 bis 1997)

 

Der dritte von ihnen: Siegfried Börsig

Ein ruhmreiches Kapitel in der 200 jährigen Geschichte der Stadt- und Kirchspielskapelle Oppenau begann am 1. Mai 1962 mit Siegfried Börsig.


Als er das Dirigentenamt übernahm, war der Friseurmeister gerademal 24 Jahre alt. 35 Jahre –solange wie kein Dirigent vor ihm– wirkte er als musikalischer und Inspirator der Kapelle. Ab 1950 hatte Siegfried Börsig beim Klarinettisten,  Schuhmacher meister Gustav Hodapp seine erste Ausbildung erhalten und 1952 war er in die Kapelle eingetreten.Aber erst drei Jahre später erhielt er sein  Wunschinstrument – eine Flöte. Die Ausbildung erfolgte beim Berufsmusiker Rubi in Offenburg, dessen Unterricht er wöchentlich mit dem Fahrrad besuchte.


Bald erteilte Börsig selbst Flötenunterricht. Ein erster Höhepunkt war das 175 jährige Jubiläum der Kapelle, das 1974 vier Tage auf dem alten Sportplatz (heute Ziegelhüttenstraße) gefeiert wurde.


Mit dabei waren u.a. 28 Kapellen, darunter die Stadtmusik Wilten aus Innsbruck unter Prof. Sepp Tanzer und das Orchester Max Greger.


Beim Dreikönigskonzert 1977, nach 15 jähriger Dirigententätigkeit, wurde Siegfried Börsig auf einstimmigen Beschluss des Gemeinderates und in Übereinstimmung  mit dem Vorstand des Vereines zum Stadtkapellmeister ernannt. Bürgermeister Dinter sagte in seiner Laudatio:


"Den heutigen Tag will ich zum Anlass nehmen, einem Mann zu danken für seinen nimmermüden Einsatz imTal, im besonderen für seine Leistungen in der Musikkapelle, einem Mann, der dafür verantwortlich ist, dass das Blasorchester einen solch hohen Standard aufweist, dem Dirigenten Siegfried Börsig, einem Idealisten, der neben seinem Beruf und seiner Tätigkeit als Dirigent noch zwei Jahre das Musik – Konservatorium in Trossingen besuchte, um sich musikalisch weiterzubilden."


Den bis dahin größten Erfolg in ihrer langen Vereinsgeschichte erzielte die Kapelle am Pfingstmontag 1981 beim 5. Bundesmusikfest in Villingen-Schwenningen.  Unter zwölf gemeldeten Kapellen, die für das Wertungsspiel in der Höchststufe gemeldet hatten, erreichte sie den 1. Rang mit Auszeichnung.


Einen internationalen Erfolg hatte die Kapelle 1985 in Kerkrade/Niederlande zu verzeichnen. Schon allein die Zulassung zum 10. Welt-Musikwettbewerb mit Teilnehmern aus 28 Nationen, der auch "Olympiade der Blasmusik" genannt wird, bedeutet eine Auszeichnung. Mit einem 2. Preis im Konzertwettbewerb und 1. Preis mit Goldmedaille im Marschmusikwettbewerb vor 30.000 begeisterten Zuschauern in der Sportarena, kehrte die Kapelle in ihr Heimatstädtchen zurück.

 

Eine weitere Auszeichnung erfuhr Siegfried Börsig anlässlich seines 25 jährigen Dirigentenjübliäums 1987 in einer extra angesetzten Feierstund im Brudersaal.  Bürgermeister Thomas Grieser verlieh ihm die Ehrenmedaille in Silber der Stadt Oppenau, und Verbandspräsident Josef Grumer überbrachte die silberne Verdienstnadel des BDB. Ausserdem ernannte er Börsig zu Ehrenmitglied des  Acher-Renchtal-Musikverbandes, in Würdigung seiner elfjährigen Tätigkeit als Verbandsdirigent und Präsidiumsmitglied. (1963 – 1974).

Mitgeprägt wurde der Verein in den letzten drei Jahrzehnten aber auch von Manfred Ziegler


Der Zöglingsausbilder und Vizedirigent war von 1970 bis 1986 zweiter Vorstand und von 1986 bis Januar 2000 Vorsitzender des Vereines.


Im Spätherbst 1997 beendete Stadtkapellmeister Siegfried Börsig seine 35 jährige Dirigentenlaufbahn.

Die Kapelle unter Stephan Börsig (1998 bis heute)


Nachfolger wurde mit Wirkung vom 1. Mai 1998 Sohn Stephan Börsig, Mitglied der Kapelle seit, 1980. Er ist als Dirigent nach hundert Jahren wieder der erste Berufsmusiker. Er studierte von 1990 bis 1996 an der  Staatllichen Hochschule für Musik in Freiburg.


Sein Hauptinstrument ist die Trompete. "Ich möchte das unter meinem Vater erreichte Niveau der Kapelle halten und ausbauen", erklärte der Dirigent nach  seiner Wahl. Die Jugendausbildung werde weiterhin Priorität haben.